Tür #23 - eltern

December 23, 2019

 

 

Fortsetzung von Teil 21:

 

...

 

Vom unwissenden Kind zum Abitur.

 

Wir gehen davon aus, dass ein Baby, wenn es auf die Welt kommt, erstmal nichts kann außer Nahrung aufnehmen, schlafen, schreien...

Und irgendwo zwischen diesem rudimentären scheinbar etwas dumm-dösigen Zustand und dem Erwachsenen mit fertiger Schulausbildung liegt die Erziehung. Jede Menge Arbeit also. Jede Menge Pauken, jede Menge Erklärungen, wie die Welt funktioniert und Üben von Fertigkeiten, jede Menge „nein, das darfst du nicht“, jede Menge „ich hab’s dir ja gesagt“ und so weiter!

 

Wir (Erwachsenen) sind die Großen, die alles wissen und den Kleinen alles beibringen müssen, was nicht als Reflex oder Instinkt in den Genen angelegt ist.

 

Erziehung geschieht definitionsgemäß von oben herab.

Manche Erzieher mögen diese Machtposition genießen oder gar missbrauchen, die meisten aber sind von dieser Art der Verantwortung eher angestrengt.

 

Auf den Schultern unserer Erzieher lastet die Verantwortung, dass die Kinder am Ende ihren Lernstoff drauf haben und zu einem selbständigen glücklichen Leben in unserer komplexen Gesellschaft in der Lage sind. Wenn die Kinder später in der Gesellschaft nicht funktionieren, wer hat Schuld?

Natürlich die Eltern, Lehrer, die kranke Gesellschaft selbst – oder die Gene. (?)

 

Dazu kommt die Anstrengung und Bürde unserer Erzieher, dass sie mit dem Frust der zu Erziehenden konfrontiert sind, den dieses Erziehungsmodell natürlicherweise mit sich bringt: Es ist die Frustration darüber, immer der vermeintlich Dumme zu sein und abhängig vom Erzieher, welcher der Stärkere ist, der bestimmen darf und immer alles besser weiß.

Dabei wissen wir alle, dass weder Eltern noch Lehrer noch Professoren die besseren Menschen sind. Natürlich nicht!

Erinnern Sie sich in ihrer Kindheit an Momente, wenn die Ohnmacht gegenüber den Erziehern spürbar wurde und Sie sich fügen mussten, egal wie bescheuert Sie fanden, was gerade von ihnen erwartet wurde? Momente, in denen sich jede Generation felsenfest vornimmt, es selbst später mal anders – und natürlich besser zu machen... Mit dem Ergebnis der Menschheit, die wir im Jahre 2020 gerade sind.

 

Mmmhhh...

 

Was ist denn an diesem Modell möglicherweise nicht liebevoll?

 

Antwort:

Alles, was nicht auf Augenhöhe stattfindet.

 

Warum lassen wir uns blenden von der äußeren Hülle des Wesens, die zugegebenermaßen bei Babys noch klein und unbeholfen wirkt?
Ja, die Hülle mag klein sein, aber das Wesen?

 

Stehen wir nicht in Bewunderung vor jedem Neugeborenen, wenn wir uns erlauben, wirklich Verbindung aufzunehmen? In so einem Moment bewundern wir nicht nur die Tatsache, wie winzig Händchen und Fingerchen sein können. Im ganzen Ausdruck des Babys ist spürbar, wie unendlich tief, groß und vollkommen der kleine Mensch schon ist, als würde man ins Universum blicken und hinter den Augen die Sterne funkeln sehen.

Den Sternenstaub in Baby-Augen gibt es nicht nur beim „eigenen“ Kind, den haben alle!

Und was passiert, wenn wir in die Augen von den meisten Erwachsenen blicken?

Warum haben wir nicht das gleiche Wundern bei Menschen, denen wir im Erwachsenen-Alltag begegnen?

Warum sind wir so oft genervt oder im besten Falle nicht erfreut, wenn sich ein Erwachsener zu uns auf den freien Platz im Zugabteil setzt, vor uns jemand in der Warteschlange steht usw.?

Warum haben wir den Sternenstaub-Moment fast immer nur bei neugeborenen Babys?

 

Liegt es vielleicht daran, dass Erziehung uns gar nicht dabei hilft, uns größer werden zu lassen?

Macht Erziehung uns möglicherweise kleiner und enger als wir ursprünglich waren?

Geht es bei Erziehung in Wahrheit darum, die viel-dimensionale Tiefe des Universums in uns zu einem drei-dimensionalen Schatten zu fragmentieren?

 

Vielleicht halten wir die Größe und Tiefe unserer Kinder gar nicht auf Dauer aus?


Stellen Sie sich vor, Sie würden jedem Menschen auf der Straße mit dem gleichen Staunen und Bewundern begegnen wie einem Neugeborenen!

 

Was wäre das für ein Leben! Könnten wir noch dem wohlvertrauten Streß der Alltags-Abarbeitung nachkommen?

 

 

...Fortsetzung folgt!

 

 

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