Tür #19 - eltern


Fortsetzung von Teil 17:

...

Ich persönlich bin kein Fan davon, Konsequenzen in Form von Lebensmittel-Rationierung zum Ausdruck zu bringen. (z.B. einen Tag lang keine Süßigkeiten) Davon abgesehen, dass ich überzeugt bin, dass Zucker in keinen Menschen gehört – egal ob Kind oder Erwachsener – ist die Verknüpfung von oraler Stimulierung und Verhalten nicht förderlich für das Kind. Es lernt die Verknüpfung von Frustration und mangelnder oraler Befriedigung, was die Grundsteine für zukünftige Essstörungen legt.

Vielleicht ist das einer der Gründe,

warum wir als Gesellschaft grundlegend an einer Essstörung leiden,

indem wir Nahrungsaufnahme zum Management von Emotionen nutzen

anstatt dazu, leicht zu sein.

Bleiben wir beim Beispiel zu Bett gehen.

Welche Konsequenz passt zum jeweiligen Kind und wie groß muss oder darf die Konsequenz sein?

Um nicht ein dressierter Erwachsener zu werden, der marionettengleich nach dem Willen und Walten des Kindes tanzt, darf die Konsequenz so groß sein, dass der kleine Mensch keinen Wunsch hat, sein liebloses Verhalten zu wiederholen und schließlich: gar nicht mehr den Wunsch nach lieblosem Verhalten zu haben.

Als unser Sohn mich mit 1,5 Jahen zum ersten Mal willentlich und voller Wut trat, weil es ihm nicht passte, abends ins Bett gebracht zu werden, schlief er in der darauf folgenden Nacht ohne sein Lieblings-Kuscheltier. Schlafen ohne sein Lieblingskuscheltier war die Konsequenz dieser verletzenden und damit respektlosen Handlung. Die Konsequenz folgte sofort nach dem erstmaligen Auftreten dieses Verhaltens.

Noch während mich unser Sohn trat, wusste ich, welche Konsequenz nötig war. Diese Unmittelbarkeit ist möglich, wenn mein eigenes Verhalten frei von Verletzung und Respektlosigkeit ist. Ich spreche hier nicht von Perfektion, aber von einer Grundsätzlichkeit. Grundsätzlich gibt es keine Respektlosigkeit in meinem Verhalten. Diese gelebte Tatsache verschafft mir eine Autorität, die keiner erhobenen Stimme und keines erhobenen Zeigefingers bedarf. In dieser Autorität liegt auch ein fein ausgewogenes Gespür für das rechte Maß.

Ich war nicht wütend auf unseren Sohn. Ich hatte verstanden,

warum er dieses Verhalten gewählt hatte, also erklärte ich ihm liebevoll,

warum er nun diese Konsequenz erfahren würde.

Falls Sie sich nun fragen, ob er an diesem Abend lieb und verständnisvoll zu Bett gegangen ist, kann ich ernüchternd schildern:

Er hat in seinem Bett fast 2 Stunden lang getobt, geweint, geschrien und getreten und nach seinem Kuscheltier verlangt.

Ca. alle 10 Minuten habe ich ihm wiederholt und freundlich erklärt, wie es sich für meinen Körper angefühlt hat, getreten zu werden, und dass ich dieses respektlose Verhalten in diesem Hause nicht toleriere. Wenn er sich zu diesem Verhalten entscheide, dürfe er immer mit einer entsprechenden Konsequenz rechnen. Ich habe ihm von Liebe gesprochen, von Verletzung und den Folgen von Gewalt etc.

Irgendwann war er erschöpft eingeschlafen.

Für mich war es kein anstrengender Abend. Mein Körper war voller Liebe für unseren Sohn und ich fand gleich im Anschluss wie gewöhnlich in einen tiefen Schlaf.

Nach dieser Nacht hat er nie wieder nach mir oder irgendjemand anderem auf diese Weise getreten. Die Innigkeit seiner Verbindung zu uns ist seitdem gewachsen. Gewalt gegen andere Menschen ist nicht Teil seines Verhaltens.

Seit wir ihn als Pflegesohn aufgenommen hatten, hatte er Schwierigkeiten, in Schlaf zu finden, was sich von Monat zu Monat gebessert hatte. Die Nacht ohne sein Lieblingskuscheltier war eine der entscheidenden Nächte und Wendepunkt dieser Entwicklung. Unser Sohn geht seitdem (mit Ausnahmen) gerne ins Bett, er strahlt und quiekt, fühlt sich sicher, entspannt selbständig und fällt in tiefen Schlaf.

Solche Situationen wie das Treten unseres Sohnes sind keine Fehler von Kindern, sondern wichtig. Sie sind entscheidende Momente des Lernens und Wachsens.

Sie bedürfen einer unmittelbaren, liebevollen, konsequenten Begleitung. Wichtig ist die Unmittelbarkeit.

...Fortsetzung folgt!

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