Tür #12 - eltern

December 12, 2019

 

 

Fortsetzung von Teil 11:

 

...

 

Und was muss denn überhaupt geheilt werden? Was ist Trauma und wodurch wird es verursacht?

 

Um die Antwort auf diese Frage finden zu können, lade ich Sie zu einem ehrlichen und bescheidenen Exkurs ein:

 

Ein Trauma ist eine Verletzung. Das ist unser modernes und allgemeingültiges Verständnis.

Das Wort „traũma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“.

 

Die Verletzung kann sowohl körperlich als auch psychisch sein. Schauen wir uns das psychische Trauma genauer an.

Das allgemeingültige Verständnis von Trauma folgt

dem Bild von Täter und Opfer.

Wir alle kennen hunderte Beispiele von Tätern und Opfern und können klar bezeichnen, wer auf welche Seite gehört. Täter und Opfer beleben unsere Unterhaltungsindustrie, Täter und Opfer pflastern den Weg unserer Menschheitsgeschichte, mancher hat in seiner eigenen Biographie Erfahrungen als Täter und/oder als Opfer gemacht.

 

Ein Trauma in diesem Sinne findet oft lebenslänglich keine Heilung. Manchmal überdauert ein gesellschaftliches Trauma mehrere Generationen und heilt selbst dann nicht, sondern gerät allenfalls ins Dunkel der Vergessenheit.

 

Mit Hilfe von erfolgreicher Therapie kann manchmal Frieden mit dem Täter oder den Tätern gefunden werden, aber ist das Heilung?

Hier ist absolute Ehrlichkeit gefragt. Haben wir als Menschheit jemals Heilung von Krieg und Trauma erfahren?

 

Heilung von Krieg bedeutete, dass es keine Kriege mehr gäbe. Das Trauma würde keine Wiederholung mehr finden, wenn es wahrhaftig geheilt wäre.

 

Die Antwort ist offensichtlich. Wir haben Krieg und Trauma bis heute nicht geheilt, sie herrschen im Mikrokosmos unserer Haushalte in Form von mangelnder Innigkeit, Nähe und Intimität bis hin zu häuslicher Gewalt. Und sie herrschen im Makrokosmos unserer Nationen und Religionen in Form von Mord, Raub und Unterdrückung.

 

Warum haben wir als Menschheit nicht geschafft, Trauma als Erfahrung zu eliminieren?

 

Kann es sein, dass es an unserem Verständnis von Trauma liegt?

Ist es möglich, dass unser Bild von Tätern und Opfern so falsch und entfernt von der Wahrheit ist, dass wir aufgrund dessen nicht in der Lage sind, Trauma zu heilen?

Was wäre, wenn das Trauma, unsere Wunde, gar nicht da liegt, wo wir sie zu sehen meinen?

Wir gehen, ohne es zu hinterfragen, davon aus, dass unsere Wunde in der Verletzung liegt, die der Täter dem Opfer zufügt. Und wir verbringen Jahre, Jahrzehnte und Leben damit, diese Wunde zu versorgen.

Wenn wir als Menschheit aber mit dieser Art der Wundversorgung nach Jahrtausenden nicht zum Erfolg gekommen sind, wenn wir trotz aller psychologisch-therapeutischer Ressourcen immer noch völkerweise Täter und Opfer produzieren, warum halten wir nicht als Gemeinschaft inne und stellen in Frage, was die Wissenschaft eigentlich meint, bewiesen zu haben?

 

 

...Fortsetzung folgt!

 

 

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