Tür #8 - eltern

December 8, 2019

 

 

Fortsetzung von Teil 6:

 

...

 

Es gibt für jeden von uns im Leben zumindest eine kleine Ecke, in der es wirklich Spaß macht aufzuräumen. Mit der beginnen Sie.

 

Stellen Sie sich die Frage, was ihr Körper zuerst braucht. Und wiederholen Sie diese Frage so oft – von mir aus wochenlang – bis etwas auftaucht, zu dem Sie auch Energie haben. DAS war dann Selbstliebe. Wenn Selbstliebe lästig ist, war dahinter keine wahre Liebe. Selbstliebe ist einfach und macht Spaß. Sie hat ihren ureigenen Rhythmus, der für jeden Menschen anders ist.

 

Bei mir war es, mich warm anzuziehen, nachdem ich mein Leben lang gefroren hatte. Überall und ständig, hatte ich kalte Füße und Hände. Mein Startschuss war also ein Set warme lange Unterwäsche und Skihandschuhe, es folgte heißes Wasser als Getränk den ganzen Tag über (was ich gerne trank), mir selbst zu erlauben, auch im Sommer die Heizung aufzudrehen und schließlich auch so hoch, dass mir wirklich warm wurde, beim nächsten Auto kam die Sitzheizung dazu und beim übernächsten die Standheizung.

 

Sie sehen, diese eine Sache, mit der Sie anfangen, löst eine Welle aus. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Und es ist nicht anstrengend für den Stein, dass er ins Wasser fällt. (Gehen wir mal davon aus...)

Die Welle zieht weitere Wellen nach sich, ganz natürlich, ohne Anstrengung.

 

Dass ich keine kalten Hände und Füße mehr hatte, wirkte sich auf meine Ernährung aus. Natürlich hatte mein Körper auf andere Dinge Lust, weil er nicht mehr ständig mit Energie gegen Kälte kämpfen musste. Zunächst aß ich einfach ein bisschen weniger. Mein Schlaf wurde etwas besser. Ausgeruhter konnte ich klügere Entscheidungen treffen und der Rest ist bis heute ein Selbstläufer. Zwischen damals und heute liegen eine Scheidung, drei Berufswechsel, diverse Umzüge, ca. 75 Ernährungsumstellungen, ein neuer Schlafrhythmus usw.

Selbstliebe ist kein Wochenend-Hobby, Selbstliebe wird ziemlich bald eine 24/7-Beschäftigung. Ja, auch im Urlaub. Selbstliebe macht vor nichts Halt.

Und jetzt können Sie sich vielleicht vorstellen, dass es möglich ist, nach all diesen kontinuierlichen Veränderungen und Anpassungen des Alltags über mehrere Jahre – nicht mehr krank zu werden. Ein Körper, für den wirklich gesorgt ist, hat ein phänomenales Immunsystem.

Ich arbeite in einer Heilpraxis, d.h. üblicherweise sind während der Wintermonate die meisten der Patienten mehr oder weniger erkältet, husten und niesen vor meiner Nase. Ich musste seit vielen Jahren keine  Sitzung mehr absagen, während sich mein Arbeitspensum vervielfacht hat. Wenn überhaupt, dann habe ich in den Wintermonaten mal eine kurze, leichte Erkältung, die ich ohne Fieber und Schmerzen mit Tee, Vitamin C und frischer Luft leicht im Griff habe. Das liegt nicht an Genen, denn seit meiner Kindheit war ich ständig und mehrfach im Jahr schwer erkältet gewesen. Dass ich heute gesund bin, liegt an gelebter Selbstliebe.

 

Kehren wir zurück zur Helikopter-Mama und zum Helikopter-Papa und der Frage: Kommt das Kind zuerst? Oder nur alle 4 Stunden an die Reihe?

Dass das Rotieren ums Kind mit Selbstliebe nicht möglich ist, wird denjenigen einleuchten, die es bis zu dieser Stelle des Buches geschafft haben!

Bedeutet Eltern also, dass das Kind warten muss, bis seine Eltern mit Selbstlieben fertig sind?

Es dauert ja, bis so ein Körper fertig selbstgeliebt ist: alleine die morgendliche Körperpflege nimmt doppelt so viel Zeit in Anspruch, ganz abgesehen vom Selbstfindungs-Retreat, vom Yoga-Wochenende, den Therapie-Sitzungen, der Kur, der Zeit beim Sport...

 

Natürlich nicht.

Selbstliebe schafft zunächst Raum. Ein wenig. An der Stelle, an der Sie anfangen. Und äußerlich betrachtet machen Sie mit den Kindern vielleicht dieselben Dinge: Morgens vor Tag und Tau aufstehen, die Kinder wecken und ihnen Frühstück bereiten. Aber vielleicht sind Sie dazu 5 Minuten früher aufgestanden, hatten etwas mehr Ruhe im Bad und sind etwas entspannter. Das macht es etwas leichter mit den Kindern.

 

An dieser Stelle entwickelt sich eine Alltagsbewegung, die am Anfang kleine Inseln am Tag erobert. Im Verlauf werden die Inseln größer, weiten sich zu Kontinenten aus, bis irgendwann auch die Weltmeere besegelt werden und Selbstliebe aus ihrem Tag nicht mehr wegzudenken ist. An dieser Stelle ist ihr Rhythmus und der ihrer Kinder in einem harmonischen Fluss.

Es stellt sich nicht mehr die Frage nach ‚alle 4 Stunden’, weil ein Körper, der geliebt und genährt ist, einsatzbereit und stark ist, wenn er gerufen wird und „nein“ sagen kann zu allem, was die Balance stören würde. Dem „nein“-Sagen-Lernen ist im Verlauf des Buches ein eigenes Kapitel gewidmet, weil ein entspanntes, selbstbewusstes „nein“-Sagen entscheidende Voraussetzung für anstrengungsloses Miteinander mit Kindern  - und überhaupt mit Menschen - ist.

Bis Sie anstrengungslos für die Kinder da sein können (= eltern), dürfen Sie jede Menge Fehler machen, genau wie die Kinder. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen. So ist laufen Lernen.

Zuerst aber lernen Sie, für sich selbst anstrengungslos da zu sein.

 

Wir alle dürfen wieder laufen lernen, wenn es um Selbstliebe geht. Wir dürfen sogar bei Kindern abgucken, wie das geht, weil die meisten Kinder noch eins sind mit ihrem Körper! Ja, Kinder können Erwachsene eltern genauso wie Erwachsene Kinder und Erwachsene andere Erwachsene – wenn wir mit unserem Körper verbunden sind.

 

Probieren Sie es aus! Der Körper sagt ihnen eindeutig und unmittelbar, ob ihre Entscheidung im Einklang oder gegen den Körper war. Und weil unser Körper unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflusst, werden Sie sich in verhältnismäßig kurzer Zeit deutlich wohler im Alltag fühlen, wenn Sie die Intelligenz ihres Körpers aktivieren. Es ist eine schöne Abenteuer-Reise, auf der Sie sich selbst kennenlernen, ihre wahren Bedürfnisse. Und Sie werden all die Bedürfnisse aufdecken, die in Wirklichkeit gar nicht ihre eigenen sind, sondern angepasste übernommene, welche zum Ziel haben, dem Alltag und dem Körper mit seinen Botschaften zu entfliehen (Hobbies, Kaffee, die Zeit vor dem Fernseher...).

Wenn Sie das ihnen vorliegende Buch an dieser Stelle immer noch nicht entnervt in die Ecke gepfeffert haben, gehören Sie zu den wenigen Menschen des 21. Jahrhunderts, die offen für wahre Verantwortung sind.

...Fortsetzung folgt!

 

 

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