Tür #4 - eltern

December 4, 2019

 

 

Fortsetzung von Teil 2:

 

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Helikopter-Papa & Helikopter-Mama ist das zur Zeit übliche Erziehungs-Ideal der westlichen Welt. Alles rotiert um das Kind. Das Kind steht mit seinen Bedürfnissen an erster Stelle. Wenn für alles gesorgt ist – satt, sauber, vorgelesen, zu Freunden gebracht und abgeholt, Wäsche gewaschen, geputzt, zur Therapie gewesen, zum Reiten gebracht und geholt, ermahnt, gekuschelt, gestritten, wieder vertragen, beim Kinderarzt gewesen, bei den Hausaufgaben geholfen, getröstet, gewickelt, ins Bett gebracht... – und noch Zeit und Kraft übrig, dann kommen Partner oder Freunde dran, die eigenen Eltern, der kranke Nachbar usw. Spätestens danach ist zwischen Mitternacht und kurz vor halb 1 morgens, wenn das Baby gestillt werden muss, natürlich nicht mehr genug Zeit für die Mama. (Beispiel 1)

 

In anderen Zeiten sollte das Baby nur zu bestimmten Zeiten versorgt werden, alle 4 Stunden Fütterung und Wickeln, ansonsten schreien lassen. (Beispiel 2)

 

2 gegensätzliche Extreme, würden Sie vielleicht denken?

 

Den Beispielen ist eins gemeinsam, was auf den ersten Blick nicht auffällt, aber fürs Kind entscheidend ist: Mama und Papa sind nicht da. In Beispiel 1 aus Überforderung innerlich nicht da, in Beispiel 2 physisch nicht da.

 

Welcher Mensch kann Beispiel 1 durchhalten, ohne innerlich abzuschalten und in einen Funktionier-Modus zu wechseln? Funktionieren generiert Anstrengung und ist nicht das gleiche wie Liebe. Liebe ist ein innerer Zustand der Lebendigkeit und völlig frei von Anstrengung.

 

Was wir landläufig unter „Liebe“ kennengelernt haben, ist das Gefühl, jemanden ganz besonders gern zu haben, denjenigen zu vermissen, wenn er nicht da ist, Schmetterlinge im Bauch, alles für ihn/sie zu tun... Eben ein gewisses Set von Emotionen, das jeder kennt, ein Gefühl, über das sich die Menschheit weltweit weitgehend einig ist.

 

Dieses Gefühl würde man den Eltern in Beispiel 1 durchaus unterstellen, während in Beispiel 2 diese Form von Liebe offensichtlich fehlt.

 

Niemand wäre überrascht, wenn das Baby aus Beispiel 2, das nur alle 4 Stunden versorgt wird, später an einer Bindungsstörung leidet, Verlassenheitsängste mit sich herum trägt, ein sogenanntes „Trauma“.

 

Die Erziehungs-Wissenschaft beobachtet jedoch, dass Kinder, die nach Beispiel 1 erzogen werden, nicht weniger an Störungen und Traumatisierungen leiden, tendenziell sogar häufiger.

 

Auch meine Generation versucht, wie alle anderen vor uns, es besser zu machen, daher ist zur Zeit Beispiel 1 modern.

 

Es ist eine zuweilen sehr schmerzhafte Ehrlichkeit vonnöten, um an dieser Stelle den blinden Fleck auszumerzen, der seit Jahrhunderten (-tausenden?) die eigentliche Krankheit der