Tür #1 - Der Innere Tempel

December 1, 2019

photo by Gayle Cue

 

„Men fears time. Time fears the Pyramids.“

„Menschen fürchten die Zeit. Zeit fürchtet die Pyramiden.“

Arabisches Sprichwort

 

Hier und da des Nachts, wenn die Sterne uns daran erinnern, wo wir herkommen,

geht unser Geist auf eine wahre Reise.

 

Getrieben von seiner täglichen Unrast ist er auf der Suche.

Er sucht sich selbst, während seine Natur ist, von sich wegzulaufen.

Ein spannungsvoller Gesell!

 

Tagsüber hat er vergeblich versucht, Halt zu finden in allem, was die Erde zu bieten hat.

In dem, was ihm darüber gesagt wurde, was Liebe sei.

In dem, was ihm darüber gesagt wurde, was Trophäen seien.

In dem, was ihm darüber gesagt wurde, was Nahrung sei.

Ihm wurde auch gesagt, was gut sei und was schlecht, was richtig sei und was falsch.

Ihm wurde gesagt, was Zeit sei und wie er sich ihr beugen könne.

Ihm wurde sogar gesagt, wer er selbst sei, und er glaubt es gerne.

 

Es gibt 2 Tempel unter den Sternen,

die sind sein Haus und zu Hause,

den äußeren und Inneren Tempel. 

Der Innere Tempel ist seine Vergangenheit und Zukunft,

der äußere Tempel seine Schatzkarte, sein wahrer Wegweiser dorthin,

wo er wahrlich zur Ruhe finden würde.

Seele und Körper.

Er meidet sie beide.

 

An jedem Tag, der sich Zeitalter für Zeitalter wiederholt,

läuft er davon, entfernt sich von beiden Tempeln so weit es irgend geht.

Und an jedem Tag, Zeitalter für Zeitalter,

erlebt er einen einzigen sich wiederholenden Moment.

 

Wo er auch hinstrebt, welche Umwege er nehmen mag, durch welches Dickicht er sich schlägt,

findet er wieder und wieder den gleichen Torbogen,

den Eingang zum äußeren Tempel.

 

Mal steht dort groß und glänzend mit leuchtenden Lettern,

mal verwaschen und verrottend kaum lesbar noch,

es steht dort beschrieben der Eine Weg zum Inneren Tempel.

 

photo by Gayle Cue

 

Er weiß, der Geist, was Ruhen ist.

Sein Kleid und Schmuck,

sein Reis und Weh,

nichts davon wäre mehr,

doch wär er selbst noch,

in der Ruh?

 

Wenn wir aus dem Licht des ewigen Tages in den Abend bewegt werden und die Sterne rufen,

wählt der Geist – wieder und wieder,

ob er auf die eine wahre Reise geht

oder unruhig hin und her um der Tempel Tore schleicht wie einer, der sich selbst verstoßen hat.

 

Hier und da, wenn die tägliche Suche durchs Labyrinth außerhalb der Tempel lang genug vergeblich war,

betritt er nachts den äußeren Tempel,

dann lernt er in Träumen von der Ewigkeit des Inneren Tempels,

auch wenn er die ewige Statt selbst nicht betritt.

 

Der Eingang zum Inneren Tempel ist bewacht.

Es ist die ewige Ordnung des Universums,

die nur dem Einlass gewährt,

der tagsüber im äußeren Tempel gedient hat.

Dem so zur Ruhe gekommenen öffnet sich das Tor zum Inneren Tempel.

Es ist der heiligste Moment, der Beginn unseres einen Tages, der Abend.

 

Der Innere Tempel hält allen Raum und seine Antworten,

dort fließen die Wasser des Lebens, Heilung,

dort regiert die Erinnerung an die Zukunft, zu der wir zurückkehren,

dort tönt die Weisung für jeden Tag,

der Klang des einen Liedes -

es brennen die Feuer der Seele.

 

Für wenige Stunden ist der Geist gerufen,

sein Bad im Inneren Tempel zu nehmen.

 

Am Morgen, noch bevor unsere Erde zurück ins Licht des Tages bewegt wird,

tritt der Geist wieder hinaus,

zurück in die Hallen des äußeren Tempels.

Wach und klar

kann so sein Dienst im Licht des Inneren Tempels beginnen.

 

Wenn er denn möchte, der Gesell,

wenn ihn nicht die Erinnerung an seine eigenen Kreationen außerhalb der Tempel-Tore zurückbefehlen,

dem einen anderen Licht zu dienen,

den Schatten des Labyrinths,

als Gefangener der Illusion von Zeit.

 

Oh Geist, du denkst nicht selbst,

bist und bleibst Diener, so oder so!

Wem willst du dienen?

Was suchst du noch?

 

 

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