Let’s talk about Sex

August 4, 2019

 

Im Praxis-Alltag geht es natürlich immer mal wieder auch um Sexualität, und spätestens seit „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“, Dr. Sommer und der BRAVO wissen wir, dass dieses Thema uns alle betrifft.

 

Erfüllte Sexualität finden– hui! – auf dieser Pilgerreise ist wohl fast die ganze Menschheit unterwegs.

 

Dazu hat seit Jahrtausenden jede Religion, jede Kultur, jedes Zeitalter seine eigenen Regeln, Gesetze, Gewohnheiten und Definitionen, was diesbezüglich der Heilige Gral sei und wie man ihn finden kann.

 

In Zeiten von Tinder, Internet-Pornographie auf Abruf und Tantra-Wochenend-Angeboten in jeder Vorstadt – ist Sex kein Mysterium mehr und findet längst nicht mehr nur stumm im Dunkeln unter der Bettdecke statt.

Wenn er denn überhaupt stattfindet, aber das ist ein anderes Problem...

Doch ein ehrlicher, offener Umgang mit Sexualität

ist auch heute noch den wenigsten möglich.

Auf die Frage, ob man Kaffee trinkt oder welche Allergien man hat, kann jeder ohne mit der Wimper zu zucken antworten. Bei der Frage nach Sexualität wird – zumindest kurz – innegehalten und abgewogen, was man jetzt preisgeben möchte.

 

Zu Recht! Wir sind ja alle durch eine Schule gegangen, in der wir gelernt haben, uns für alles Mögliche zu schämen und falsch zu finden. Dabei ist kaum ein Thema so von Konzepten und Idealen belastet wie unsere Sexualität.

Selbst die augenscheinlich freiesten der Szene (also z.B. die nach dem Motto „offene Beziehung“ leben und „Liebe-für-alle-wann-wie-wo-mit-jedem-und-so-oft-ich-will-express-yourself“) sind voller Konzepte, z. B. was geht und was nicht und was „gute Performance“ ist und was nicht...

 

Auf deutsch gesagt: Fast jeder hat hier die ein oder andere Baustelle, ob mit oder ohne Partner und egal in welchem Alter.

 

Warum zu diesem Riesen-Thema ein Blog? Warum nicht gleich ein Buch oder eine ganze Reihe? Stoff gäbe es reichlich.

 

Nein, dieser Blog soll einfach eine Anregung sein, den „Heiligen Gral“ an einer Stelle zu suchen, an der bisher so gut wie niemand nachgeschaut hat.

Sexualität und was „guten Sex“ ausmacht,

hat überhaupt GAR NICHTS mit Äußerem zu tun.

Verabschiedet euch von dem, was ihr immer dachtet, geil zu finden.

Verabschiedet euch auch von der Idee, Orgasmus hätte etwas mit Technik zu tun.

Verabschiedet euch erst recht von der Illusion, guter Sex hätte etwas mit wechselnden "Geschlechtspartnern" (= was für ein Wort?!) zu tun.

 

In Sexualität spiegelt sich unser Alltag.

In Sexualität zeigt sich, wie ich meinen Tag gelebt habe.

 

Das ist auch schon alles.

 

Lebe ich mich in meinem Alltag, ist es erfüllter Sex.

Lebe ich angepasst und in Zurückhaltung, wird der Sex mechanisch.

Lebe ich eine Show, ist der Sex eine Show.

Usw.

 

Die Kunst, ich selbst zu sein – jeden Tag mehr – ist das, was Serge Benhayon mit „Livingness“ beschreibt. Livingness ist kein Ziel, was es zu erreichen gilt, sondern Livingness ist „ich selbst sein“ und das beginnt in aller Unperfektheit in diesem Moment und hat kein Ende.

Dazu braucht es eine Prise Ehrlichkeit und die Erlaubnis vor sich selbst, Fehler machen zu dürfen. Dann geht es darum, ehrlich zu zeigen, wer ich bin und zu lernen, liebevoll für mich zu sorgen.

Das Leben auf der Erde bekommt so unmittelbar einen tieferen Sinn, als würde alles und jeder um einen herum zum Lehrer auf diesem Weg. Jede Alltags-Situation birgt die Möglichkeit zu üben, auf die Situation zu antworten als „ich“, und nicht musterhaft wie eine Marionette zu reagieren.

 

Das Lernen geht jeden Tag weiter: Wie begegne  ich der Situation? Wie wäre es, ganz ehrlich zu zeigen, was in mir ist?

- Das wäre ja „ich“ – in Grenzen von Anständigkeit und Respekt natürlich.

Oder dürfte ich dann jemandem die Nase brechen, wenn er mir lange genug auf den Zwirn ginge?

 

Nein.

 

Wut, Frustration und Aggression sind immer Teil von musterhaftem Verhalten.

Unser natürlicher Ausdruck ist ohne Muster – frei von Emotionen.

Er ist erfüllt von sehr zarter Verletzlichkeit.

Wenn ich diese Verletzlichkeit ausdrücke, wird große Stärke frei.

So frei, dass ich nicht mehr des Schutzes von Wut etc. bedarf.

An die Stelle von Wut und Härte tritt Selbstfürsorge und nährt, was bisher verletztes Gewebe gewesen ist.

 

Egal wo ich auf diesem Weg gehe und stehe, vertieft sich Sexualität.

Abhängigkeit von Reizstimulation hört auf.

 

Wo vorher keine Lust mehr auf Sex war, entsteht wieder eine natürliche Lust. Wo ein übermäßiges Bedürfnis nach Entladung war, entsteht wahre Intimität. Wo sonst Kontrolle war, entsteht wieder die Fähigkeit loszulassen, einen Orgasmus erleben zu können.

 

Ich brauche nicht mehr nach 5-10 Jahren (oder Wochen, Tagen, Minuten?) einen neuen Partner, um wieder Schwung ins Sexleben zu bringen. Der Schwung hängt einzig von mir selbst ab.

 

Mit welcher Verantwortung und vor allem Spaß begegne ich mir selbst?
 

Das zu vertiefen hat kein Ende.

 

Es geht immer weiter und weiter.

 

Ja... und nach Adam Riese... hört es auch nicht auf, dass der Sex toller wird. Ganz alltäglich. Mit sich selbst. Mit dem gleichen Partner. Ohne Toys, Phantasien oder Porno-Abo.

Eine große harmonische sich ausbreitende Welle.

 

Sexualität ist, sich selbst zu begegnen, in jedem Moment des Alltags.

 

 

 

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