Urlaub vom Alltag

 

Ausspannen.

Endlich Zeit für mich. 

Den Alltag hinter mir lassen.

Wann ist es endlich wieder soweit?

Für mich war der nächste Urlaub immer ein Ziel,

auf das ich hin gelebt habe. 

In den Urlaub mussten dann all die schönen Dinge passen, die im Alltag keinen Platz fanden und sei es nur einfach mal tagelang auf der faulen Haut zu liegen und es sich gut gehen zu lassen.

 

Am Ende des Urlaubs hätte ich Stein und Bein geschworen, dass ich nun erholt und zufrieden sei, aber wenn ich es mir von heute aus ehrlich anschaue, war das eine fette Lüge vor mir selbst.

 

Wäre ich wirklich zufrieden gewesen, hätte ich nicht eine Liste von To Dos und Wunschträumen mit aus dem Urlaub in den Alltag geschleppt und diese dann sofort blitzartig noch erweitert und mir mehr Zeit, sprich Urlaub, gewünscht. 

 

Wäre ich wirklich erholt gewesen, dann wäre nicht nach dem Aufräumen meiner E-Mail-Inbox im Büro, seufzend, mein erster Satz gewesen: „Och, eigentlich könnte ich schon wieder Urlaub gebrauchen“.

 

Urlaub war für mich in dieser Zeit ein Fluchtpunkt aus dem Alltag. 

 

Etwas auf das ich hinarbeiten konnte, der Strohhalm, an den geklammert ich mich über Wasser hielt.

 

Es fühlte sich irgendwie bequemer an, auf etwas in der Zukunft hin zu leben oder hin zu träumen, anstatt mich mit meinem Leben in der Gegenwart wirklich auseinander zu setzen. 

 

Je mehr ich anfing, mein Leben und mich ehrlich anzuschauen, umso mehr änderte sich meine Einstellung zum Thema Urlaub – vor allem aber meine Zufriedenheit im Alltag.

Ich verstand, dass Zufriedenheit nicht etwas ist, auf das man hin leben kann und das dann mit einem Paukenschlag eintritt, sondern, dass sie in jedem kleinen Detail des Alltags beginnt.

Beispiel:

 

Wie soll ich abends zufrieden und freudig nach Hause kommen, wenn ich den ganzen Tag im Büro drüber hinweg gegangen bin,

  • dass ich eigentlich unbequem gesessen habe – und mir den ganzen Tag der Rücken weh tat, ich aber zu faul war, meinen Bürostuhl anders einzustellen,

  • dass ich diverse Dinge nicht ausgesprochen habe - weil sie ja scheinbar nicht so wichtig waren, obwohl sie mich den ganzen Tag innerlich beschäftigt haben,

  • dass ich nicht die Heizung sofort angedreht habe als mir kühl wurde - sondern erst als Stunden später endlich Zeit dafür war

  • und dass ich aufgrund all dieser Dinge gedanklich so sehr beschäftigt war, dass es mir gar nicht möglich war, ganz für Kollegen und Kunden anwesend zu sein, geschweige denn effizient zu arbeiten - und so garantiert etwas liegen blieb, was mich frustrierte.

 

Hausgemachter Stress.

Stück für Stück habe ich dann angefangen, mein Leben ehrlicher anzuschauen und meinen Alltag von den kleinen, mehr oder minder leicht veränderbaren Details aus anders zu leben.

Das Ergebnis davon ist, dass ich heute Urlaub wirklich genießen kann, weil er keine Lücken aus dem Alltag mehr füllen oder leere Batterien aufladen muss.

Lange Gespräche mit meinem Partner, ausgedehnte Spaziergänge, die Gelegenheit, inne zu halten, zu schauen, was los war und was als nächstes ansteht,  -  all das ist jetzt Teil meines Alltags und muss nicht erst auf den Urlaub warten.

 

Urlaub ist nicht mehr Flucht, sondern Ergänzung des Alltags: ganz andere Menschen erleben und Sonne & Wärme genießen. Von außen betrachtet ist vieles beim Urlaub machen gleich geblieben – und doch hat sich etwas ganz Entscheidendes verändert:

 

Heute legt mein Alltag die Basis dafür, im Urlaub tiefer zu gehen und von dort quasi mit einer zusätzlichen Batterie und mehr Power wieder in den Alltag zu starten.

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