Rasieren - Muss das sein?

October 14, 2016

 

„Der Bart fängt an zu jucken – ok, dann sollte ich mal zum Langhaarschneider greifen und ihn stutzen. Es ist mal wieder Zeit für diese lästige Aktion, nach der überall in Klamotten und im Waschbecken und auf dem Fußboden Bartstoppeln rumfliegen.“

 

Das war so alle 14 Tage meine Routine.

 

Rasieren war mir lästig, ich mochte den „männlichen“ Look eines kurzen Barts und wie bequem es war, sich morgens nicht von einer Rasur aufhalten zu lassen und mich gleich den „wichtigen“ Dingen widmen zu können.

 

Eines Morgens erzählte mir ein Freund von seiner täglichen Rasur und wie er sich kein Leben ohne dieses Ritual vorstellen könne. Er freue sich jeden Morgen auf dieses Reinigungs-Ritual, bei welchem er sich des Mülls vom Vortag entledige.

 

Und augenzwinkernd stellte er mir die Frage, ob ich mit meinem Bart nicht etwas verstecken wolle...

Was könnte man hinter seinem Bart verstecken?

  • Seine Konturen?

  • Kanten?

  • Zartheit?

  • Nacktheit?

  • Selbstvernachlässigung?

 

Bei Universal Medicine hatte ich eine Behandlungstechnik für das Gesicht gelernt, „facial release“. (Der Link führt zu einem wunderschönen Video dieser alten Heilkunst.) Daher kannte ich die Zonen des Gesichts, welche energetisch mit Organen und Emotionen verbunden sind. Spuren von Emotionen (Wut, Frust, Trauer, Kummer, negative Gedanken etc.) lagern sich in diesen Zonen ab, werden im Laufe der Zeit sichtbar als Falten, Schwellungen, Verspannungen, Hautunreinheiten und so weiter. Mit sanften, haltenden und streichenden Bewegungen im Gesicht wird der ganze Körper bei dieser Technik unterstützt, von diesen Emotionen und alten Reaktionsmustern loszulassen.

 

Ich liebe diese „Hingabe“-Technik und als mein Freund von sich erzählte, wurde mir deutlich, dass der Bartwuchs die meisten dieser Zonen betrifft und ich die Rasur nutzen könnte, mich mit diesem Bewusstsein täglich zu behandeln.

 

In meinem Kulturbeutel befand sich noch eine alte Reise-Rasierklinge und am nächsten Morgen probierte ich nach langem eine Nassrasur.

 

Das Ergebnis war fatal: An diversen Stellen hatte ich mich geschnitten und mein halbes Gesicht war feuerrot und wund und geschwollen.

 

Da erinnerte ich mich wieder an die Zeit, in der ich die Nassrasur einstellte. Meine Haut war so gereizt und voller Pickelchen, dass ich mich nicht weiter so sichtbar verletzen wollte. Das war zu Teenie-Zeiten, lange bevor ich Universal Medicine kennenlernte.

 

Jetzt hatte ich andere Möglichkeiten: Ich konnte deuten, warum welche Zone meines Gesichts geschwollen oder aufgeschnitten waren. Die Wahrheit darüber, mit welchen Emotionen ich in den Wochen zuvor gelebt hatte, war mir ins Gesicht geschrieben.

Schreck!

Wie peinlich, mit dieser feuerroten Maske sollte ich jetzt unter die Leute? Der schützende Bart war nun weggespült irgendwo in der Kanalisation. An den kam ich jetzt so schnell nicht wieder ran.

 

Ich hatte offensichtlich mein Leben zu großen Teilen im Versteck zugebracht, mich hinter undurchsichtigen netten Masken zurückgezogen. Von einigen dieser Masken hatte ich mich schon entledigt, und das Rasieren sollte der nächste Schritt sein.

 

Jeder fühlt sowieso, wenn ich wütend bin oder frustriert oder verbittert. Und wenn es verdeckt geschieht, kann es nicht heilen.

 

Ich entschied mich also dazu, die Rasur weiter zu pflegen und begann eine Art Tagebuch der Selbstbeobachtung, mit welchen Emotionen meine Tage gefüllt waren, und wie am nächsten Morgen meine Gesichtshaut auf die Rasur reagierte.

 

Nicht jeden Morgen sah mein Gesicht so furchtbar aus wie an dem ersten Morgen!

 

Ein anderer Freund gab mir den Tipp, meine Gesichtshaut VOR der Rasur einzucremen und eine Rasierklinge für Damen auszuprobieren, da manche speziell für zarte und empfindsame Haut konzipiert sind. Ich probierte verschiedenste Klingen aus, hatte viel Spaß damit, (wunderte mich darüber, warum Rasierklingen für Frauen alle pink und rosa sein müssen und Rasierklingen für Männer schwarz oder dunkelblau sind...) und fand mit der Zeit die Kombi aus Klinge, Rasierschaum, der passenden Einwirkzeit und Creme, die für meine Gesichtshaut heilsam und unterstützend ist.

 

 

 

 

Gleichzeitig beobachtete ich weiter meine Reaktionen auf meinen Partner, meine Familie, Freunde, Patienten, die Nachrichten aus aller Welt und arbeitete kontinuierlich daran, deren Ursachen zu heilen.

 

Viele, viele Rasuren später bemerkte ich nach ca. 1 ½ Jahren, dass das Rasieren nur noch selten Verletzungen oder Reizungen in meinem Gesicht auslöste.

 

Meine Gesichtshaut ist jetzt noch empfindsamer geworden und ich bin mir bewusst, was ich brauche, wenn ich mich beim Rasieren verletze.

Ich achte dann darauf, welche Entscheidungen vom Vortag ich verändern könnte, an welchen Tendenzen ich arbeiten kann, wo ich den Kontakt zu den Menschen um mich vertiefen, mir mehr Leichtigkeit erlauben kann usw.

 

Wenn ich morgens keine Lust aufs Rasieren habe, prüfe ich, ob heute wirklich Stoppel-Look angesagt ist oder ob es sich um Selbstvernachlässigung handelt, die möglicherweise schon am Vortag begonnen hatte. Dann sorge ich tagsüber ganz bewusst für mich, um meine Bewegungsrichtung wieder zu verändern.
 

Mittlerweile mag ich meine Gesichtsformen und freu mich auch, die in ihrem Strahlen und ihrer Klarheit zu zeigen. Durch die Selbstbeobachtung lebe ich deutlich bewusster als zu zotteligen Zeiten, meine Beziehungen sind intimer und echter und leichter geworden und mein Erscheinen klarer und selbstbewusster.

Die regelmäßige Rasur war einer von vielen Schritten raus aus dem Versteck und der Weg ist noch lange nicht zu Ende!

 

 

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