Mission Possible - Projekt Garderobe 002

September 16, 2016

 

 

Fortsetzung von Teil 1:  ​

 

...Von dem, was ich Jenny über meine Wünsche erzählt hatte, wußte sie, bei welchen Marken wir suchen mussten. Obwohl Jenny Hamburg noch nicht kannte, landeten wir schnell in einem Laden, in dem ich aus dem Staunen nicht mehr raus kam. Da hing eine komplette Abteilung voll mit Klamotten, die ich schon lange gesucht und nie gefunden hatte.

  • Einfach mein Stil.

  • Und im Sommer-Schluss-Verkauf!

  • Und einen freundlichen Verkäufer gab es auch noch!   

Die erste Hose, die wie angegossen sitzte, brachte mich schon wieder ins Schwitzen. Ich fühlte mich unwohl, weil man meinen runden Bauch über dem Hosenbund sehen konnte. Fast angewidert von dem Blick in den Spiegel hätte ich die Hose wieder weg gepackt.

 

Aber Jenny stoppte mich wieder:

 

„Ist das wirklich ein Bauch?

Oder ist das ein Bild, das du von deinem Bauch hast?“

 

Autsch.

 

Ich betrachtete mich eine Weile im Spiegel und ließ jetzt mehr meinen Körper sprechen als die ratternden Gedanken in meinem Kopf. Und es fiel mir wie Schuppen von den Augen.

Nicht nur mein Bauch sondern jedes einzelne Körperteil hatte ich jahrelang durch eine Brille gesehen, eine Pressform, wie mein Körper zu sein hatte.

Ich finde meinen Bauch nicht zu dick. Aber ganz unbewusst hatte sich ein Bild darüber eingeschlichen, wie ein ordentlicher Bauch aussehen sollte und eins war klar:

 

Dieses Bild war nie erreichbar.

 

Jenseits von den Bildern über meine Körperteile entdeckte ich vor dem Spiegel ein anderes Gefühl, das ich aus Momenten kannte, wenn ich nackt im Wasser geschwommen war.

 

Die Hose war nicht spürbar als Fremdkörper auf der Haut, sondern gab geschmeidigen Halt. Gleichzeitig fühlte ich mich beweglich, leicht und erhaben.

 

Der Mann, der mir im Spiegel entgegen blickte, sah richtig gut aus. Mein Körper nahm in der anderen Kleidung eine ganz andere Form an. Ungewohnt.

 

„Ja, wir sehen auch das, was du siehst!“ meinte der Verkäufer lachend.  

 

Damit war mein Einkaufsknoten geplatzt.

Ich traute mich, auch die Details auszudrücken und das Hemd, das ein bißchen zu weit war, beim Schneider taillieren zu lassen, den Pullover, dessen Ausschnitt nicht optimal meinen Hals umfasste liegen zu lassen, das Portemonnaie ohne Kleingeldfach zu wählen – frei nach meinen Impulsen, nicht den vorgefertigten Bildern folgend.

 

Bei jedem neu auftauchenden Bild von mir (alte Zweifel), ich könnte zu sensibel, zu kompliziert, zu vielwillig, zu extravagant, zu teuer, zu dies oder zu das sein, stand wieder Jenny da und konnte mich zurück auf den Teppich bringen - in dem Fall zurück in meinen Körper und in die Klamotten!

 

Jenny hatte sich netterweise beim Ausmisten Notizen gemacht und behielt auf dem Schirm, was am dringendsten war.

 

Nach 4 Stunden hatte ich ein gutes Dutzend neuer Kleidungs-Stücke gefunden, die mein Neu-Anfang werden würden.

 

...Fortsetzung folgt!  

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