So viele Projekte

March 3, 2016

 

Neue Einladungen zu Projekten winken an allen Ecken und Enden des Lebens: Arbeit an mir, Arbeit an der Partnerschaft und Familie, Reparaturen oder Ausbesserungen am Haus, Freizeit (das gibt es noch?), Weiterbildung, Projekte für die Gemeinschaft, ehrenamtliche Tätigkeiten, Familie und Freunde besuchen, ein Instrument lernen, ein Buch lesen, …

Und es ist bei diesen Projekten wie mit der Hydra in der griechischen Mythologie: schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen gleich zwei neue nach.​

Bis irgendwann der leise Fluss der Frustration im Untergrund lauter und lauter wird und ich mir eingestehen muss: Etwas ist nicht mehr harmonisch, die Freude ist nicht mehr spürbar. Langsam aber sicher taucht das Bedürfnis nach Urlaub auf, nach der berühmten einsamen Insel.

Wenn ich mich dann in der Vergangenheit mühevoll bis zum Urlaub geschleppt und ich es irgendwie nach ein paar Erkältungen oder mit Verspannungs-Kopfschmerzen bis zur Insel geschafft hatte, stellte ich fest, dass die gar nicht so einsam ist wie erhofft. Ich blieb noch eine ganze Weile im Erledigungs-Modus. Manchmal dauerte es dann 1-2 Wochen, bis ich überhaupt entspannen konnte, aber ich machte nach meiner Rückkehr im Alltag wieder so weiter wie vorher.

 

Nun stellte sich mir folgende Frage: Was treibt mich denn eigentlich zu so vielen Projekten an? Warum sammeln sich die unerledigten Aufgaben, die unaufgeräumten Schubladen und die unbeantworteten Emails so rasend schnell an?

 

Ich bemerkte, dass ich völlig darauf trainiert war, meine Entscheidungen im Kopf zu treffen, gedanklich die Argumente abzuwägen und bei meinen Entscheidungen auf die Meinung anderer zu hören, dass auf den Kopf und auf andere zu hören aber offensichtlich nicht zu Entscheidungen führt, die mir wirklich gut tun.

In den Universal Medicine Kursen lernte ich, meine Aufmerksamkeit mehr aufs Fühlen zu richten, meinen Körper zu beobachten und darauf zu hören, was mein Körper mir sagen möchte. Das war kein plötzliches Aha-Erlebnis, keine sofort wirkende Wunderpille, sondern ein Prozess, der bei mir einige Jahre gedauert hat. Die Erkenntnis, die ich mit Hilfe von Universal Medicine hatte, war: Die Wahrheit finde ich im Körper. Nicht im Kopf.

Mir wurde bewusst, dass mein Kopf schnell „JA“ sagt, aber meine Körperreaktion bei einer Entscheidung eigentlich „NEIN“ bedeutet; er verkrampft sich, die Füße oder Hände werden kalt, die Schultern ziehen sich nach oben zusammen, usw. Ich sagte also ja zu Projekten, bevor ich überhaupt meinen Körper beobachtet hatte.

So wurde klar, dass die Entscheidung zu vielen Projekten eine Kopfentscheidung war und dass ich nicht wirklich auf meine eigenen Bedürfnisse hörte und darauf was mein Körper mir signalisierte.

Aber warum sage ich „JA“ zu etwas, ohne es wirklich mit dem ganzen Körper zu fühlen? Und warum diese Eile?

Ich merkte, dass ich eigentlich pausenlos latent nervös war. Es war die gute alte Angst davor, zurückgewiesen zu werden, dass ich nicht lieb gehabt werden würde.

Ich hatte als Kind keinen stabilen Selbstwert entwickelt, hatte mich nicht so lieb, wie ich bin. Ich hatte gelernt, für tolle Leistungen gelobt zu werden, aber nicht verinnerlicht, dass mein Wert unabhängig von dem ist, was ich leiste. Serge Benhayon war der erste, der mich daran wieder erinnerte. Selbstwert kommt von innen. Selbstwert ist etwas, dass ich für mich selbst empfinden und wieder entwickeln kann. Ich begann, bei kleinen alltäglichen Entscheidungen mehr für mich zu sorgen – nicht als Belohnung, sondern weil ich es bin.

 

Wenn ich mich nicht fühle, meinen Körper, verpasse ich das, was mich im Innersten ausmacht, so entsteht der Sog nach Bestätigung im Außen. Dann identifiziere ich