"Ich stell das mal auf!" - Ein Blick hinter die Systemische Familientherapie

February 15, 2015

 

Jeder hat eine Familie. Sie ist da, ob wir wollen oder nicht. Und wer von uns hat nicht im Laufe seiner Kindheit irgendwann Verletzung erlebt?

Das scheint genauso Teil des Lebens zu sein wie die Tatsache, dass morgens die Sonne aufgeht. Egal auf welchem Kontinent, in welcher Sprache oder Religion.

 

Und das erklärt wahrscheinlich die Beliebtheit dieser Methode: “Ich stell mal mein Problem auf!” heißt es in systemisch-therapeutischen Kreisen, und das bedeutet:

Aus einer Gruppe von Menschen wähle ich Stellvertreter für die Beteiligten des Problems aus - inklusive eines Stellvertreters für mich selbst und ich stelle alle in Bezug zueinander auf.

Dann werden die einzelnen Stellvertreter nach ihrem Befinden befragt, um deutlich zu machen, dass das Problem auf komplexe Weise Teil eines ganzen Familien- (oder Betriebs-) Systems ist und nicht nur an der Stelle wirkt, an der das störende Symptom zu Tage tritt.

 

In vielen Fällen wird jetzt die so entstandene Menschen-Skulptur auf eine Weise verändert, dass sich möglichst alle Beteiligten besser fühlen, das “Lösungsbild” entsteht.

Gegen Ende stellt sich der Patient dann als er selbst in das Lösungsbild hinein und bekommt Einsichten in eine neue Struktur, neue Blickwinkel, neue Kommunikationswege, ungeahnte Lösungsperspektiven.

Geniale Methode?

 

Das finden immer mehr und mehr Menschen und Therapeuten.

Und mir ging’s genauso!

 

Bis ich nach 10 Jahren Familienaufstellungen nicht mehr für möglich gehalten hatte, dass meine Familienverhältnisse wirklich zur Heilung kommen könnten, denn mit jedem Jahr waren größere versteckte Traumata in der Geschichte aufgetaucht. Löste sich ein Symptom auf, zeigte sich bald ein neues, was ich "mal aufstellen konnte".

 

Mein Körper wurde nicht gesund.

 

Meine Erwartungen an meine Familie waren gewachsen. Familienfrieden war immer davon abhängig, wie sich die einzelnen Beteiligten gerade verhielten. Alle passten auf, sich entsprechend der Familienregeln und –gesetze zu verhalten und das hatte zu einer subtilen Anstrengung und Distanz geführt.

 

Mit Universal Medicine habe ich einen anderen Ansatz kennengelernt, der alles bisher gelernte auf den Kopf stellte.

 

Das Abenteuer began mit einer einzigen – fetten – Frage:

Könnte es sein, dass ich mir meine Familie aussuche?

Schluck.

 

Natürlich hält niemand das in unserer Kultur für möglich. Das Leben beginnt mit der Geburt, fertig.

Aber wenn ich es rein zum Zwecke der Kontemplation für möglich hielte:

Was bedeutete das?

Und welche Möglichkeiten hätte ich in den eigenen Händen?

 

Die Antwort war schockierend einfach:

Das bedeutete,

ich wäre eigenverantwortlich.

Für alles.

Das sprengte meine komplette Universitätsausbildung, alles Gelernte der alternativen Heilkunden und natürlich meine religiöse Erziehung – und meinen inneren Schweinehund von seinem Sofa.

  • Ob ich auf meine Familie mit Erwartungen reagierte, läge in meiner Macht.

  • Meine Familie ohne Bedingungen zu lieben, läge in meiner Macht.

  • Dann wäre alles in meinem Leben “nur” eine Entscheidung – in meiner Hand.

Wow!

Schuld, Verzeihung, Sühne, Verletzung wären Schnee aus dem Mittelalter.

 

Aber wer hat Bock auf ein Konzept von Eigenverantwortung?

Eigenverantwortung? Wo wird das heute gelebt?

In der Politik genausowenig wie in den Medien und in unseren Familien.

Und auch nicht in unseren Therapiemethoden.

Verantwortlich ist der Arzt, Mama oder Papa. Oder der Therapeut: “Ich stell das mal auf, mein Therapeut löst das schon!!”

 

Aber mal ehrlich, dann mache ich mich abhängig von den Entscheidungen anderer, oder?!

Bin ich also wirklich Opfer meiner Eltern, der Familiengeschichte?

 

Ich kannte vor Universal Medicine keine (Familien-)therapie, die genau diese Abhängigkeit wirklich in der Tiefe auflöst.

 

Und ich fand folgendes heraus:

 

Es gibt einen Moment der Entscheidung, wie ich auf meine Familie und ihre Dynamiken reagiere.

Um das zu lösen, bedarf es tiefster Ehrlichkeit und eines Willens,

die Verantwortung für die EIGENEN Entscheidungen und deren Folgen zu fühlen und zu verstehen.

Dies ist ein schlichter Prozess, der an keiner Stelle von dem abhängig ist, was im Außen geschieht oder geschehen ist. Es ist Heilen von innen.

 

Dies ist eine andere Sicht auf Krankheit und Heilung:

Krankheit ist nichts, was es zu bekämpfen gilt.

Krankheit ist der Weg des Körpers, mir zu zeigen, dass ich etwas in meinem Alltag tue, was zu dem Zeitpunkt nicht harmonisch ist.

Es ist der Ruf des Körpers nach Selbstliebe.

 

In meiner Familie war das beispielsweise die “kranke” Dynamik, ein guter Mensch zu sein, d.h. sich strapaziösen Situationen auszusetzen und die tapfer auszuhalten, solange es einem hilfreichen Zweck dienlich war.

 

Das lerne ich mit Hilfe der Kurse von Universal Medicine, für mich zu beenden. Es zeigt sich in Kleinigkeiten, wie: Ich ziehe mir Handschuhe an, auch wenn ich nur wenige Minuten hinausgehe, um einen Scheit Holz zu holen – und in großen Veränderungen wie mir zu erlauben, mich aus einer nicht harmonischen Partnerschaft zu lösen...

Seitdem ich das übe, wächst meine Gesundheit beständig. Ich kämpfe nicht mehr gegen Symptom nach Symptom nach Symptom, sondern beobachte, wie wirkliche Stabilität entsteht.

 

Ich habe gelernt, mir selbst auf einer tieferen Ebene mit Liebe zu begegnen, mich zu pflegen, meinen Tagesrhythmus harmonisch zu gestalten, mich in meiner Unperfektheit mehr anzunehmen – und lerne, die anderen anzunehmen, wie sie sind, ihre Reaktionen auf mich zu erlauben, ohne sie anders haben zu wollen.

Diese alltäglich gelebte Heilung führt auch zu Heilung im Kontakt mit meiner Familie.

Dadurch, dass ich mir selbst mit Nachsicht und Sanftheit begegne, bin ich unabhängig davon geworden, dass mir wahre Liebe bei meiner Familie begegnet. Dadurch, dass ich nicht mehr bedürftig nach Liebe und Fürsorge von anderen bin, weil ich sie mir selbst gebe, kann ich meine Eltern und Geschwister so sein lassen, wie sie sind unabhängig von Rollen und damit verknüpften Idealen. Das merken alle und sind mehr sie selbst im Kontakt mit mir, weil sie spüren, dass nichts mehr von ihnen erwartet wird (ohne Anspruch auf Perfektion). Unsere Beziehungen heilen.

  • Wir begegnen uns jetzt so, wie wir wirklich sind.

  • Es ist einfach und innig geworden zwischen uns.

  • Keiner füllt mehr eine Rolle aus, sondern wir können wir selbst sein.

 

Das Schönste finde ich daran, dass die Heilung aus mir kommt. Damit beschränkt sie sich nicht auf meine “Blutsverwandtschaft” oder das System, das ich gerade aufgestellt habe. Die Heilung ist für alle da. Die Unterschiede, die ich früher gemacht habe zwischen Familie und Fremden lösen sich auf. Familie bekommt wieder ihren wahren und universellen Geschmack.

 

Familie sind alle.

Das ist Heilung.

 

 

 

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